Warum Loslassen glücklich macht

Die Geschichte von dem Mann und dem Pegasus

 

Es war einmal ein Mann, der hatte ein Einhorn. Der Mann und das Einhorn waren sehr glücklich und verbrachten eine wunderbare Zeit miteinander – für den Mann waren es die schönsten Jahre seines Lebens.
Eines Tages war es so, dass das Einhorn krank wurde. Natürlich versuchte der Mann zu helfen, aber nach längerer Zeit musste er erkennen, dass er das nicht konnte und vor allem merkte er, dass seine Sorge um das Einhorn auch ihn selbst langsam krank machte.
Und so musste er das Einhorn ziehen lassen und die beiden gingen von nun an getrennte Wege.

Der Mann wusste, dass das Einhorn sich nun wieder erholen konnte und auch ihm ging es wieder besser. Trotzdem hatte er in sich eine gewisse Sehnsucht – Sehnsucht nach dem, was er verloren hatte. Sehnsucht nach der schönen Zeit, die er mit dem Einhorn hatte.
Und um seinen Schmerz zu lindern, begann er, nach einem neuen Einhorn zu suchen. Er wusste natürlich, dass es kein anderes Einhorn geben würde, aber er musste ja zumindest versuchen, seine Sehnsucht irgendwie zu sättigen.

Der Mann erforschte die Gegend und fand ein Gebiet, wo es viele Pferde gab – Pferde in allen Farben, Rassen, Größen und es gab dort auch Esel und Mulis. Was es dort allerdings nicht gab, waren Einhörner – was den Mann nicht weiter überraschte und gleichzeitig auch traurig machte – er war ja überzeugt davon, nie wieder etwas so Besonderes wie sein Einhorn zu finden.

Er begann also, sich mit dem zu begnügen, was das Gebiet ihm bot. Und eines Tages fand er dort ein Pferd, das ihm vom ersten Augenblick an sympathisch war. Er mochte dieses Pferd und fand es wunderschön. Und dieses Pferd mochte auch ihn (er hatte bisher durchaus auch gegensätzliche Erfahrungen gemacht). Ab und an war das Pferd zwar ein wenig bissig, aber das störte den Mann nicht weiter, er mochte es nämlich wirklich sehr gerne.
Das, was den Mann allerdings trotzdem etwas traurig machte, war die Tatsache, dass jenes Pferd kein Einhorn war. Immer wieder musste er an sein Einhorn denken und die schöne Zeit, die er mit ihm verbracht hatte – und er war überzeugt, dass so etwas mit dem Pferd nie möglich sein würde.
Mit dem Pferd hatte er zwar ebenfalls eine wunderbare Zeit, aber es war einfach nicht dasselbe und das Pferd war halt nun mal kein Einhorn. Und so suchte er nebenher immer weiter nach einem neuen Einhorn, in der Hoffnung, seine Vergangenheit nochmals erleben zu dürfen.

Das Pferd fühlte sich bei und mit dem Mann sehr wohl, es mochte ihn und genoss die Zeit mit ihm sehr. Die Harmonie zwischen den beiden war sehr groß, allerdings war dem Pferd durchaus bewusst, dass der Mann den vergangenen Zeiten mit dem Einhorn nachtrauerte und dass er nebenbei immer weiter nach etwas Besonderem suchte. Das machte das Pferd sehr traurig.
Es war traurig, weil der Mann durch seine „blinde Suche“ einerseits und dem Leben in der Vergangenheit andererseits, das, was er aktuell hatte, gar nicht hunderprozentig genießen konnte und vor allem auch nicht erkannte. Der Mann erkannte nicht, dass er in dem Pferd bereits einen wunderbaren Gefährten gefunden hatte und dass die gemeinsame Zeit ebenfalls wunderbar war.

Das Pferd haderte sehr lange mit sich und eines Tages beschloss es, dass es aufgeben musste, den Mann retten zu wollen. Es hatte lange Zeit versucht, ihm über seinen Schmerz hinwegzuhelfen, hatte dessen Suche akzeptiert, hatte sich angepasst und sein Maul gehalten, um weiteren Schmerz beim Mann zu vermeiden.
Aber mit der Zeit erkannte es eben, dass es selbst „vor die Hunde gehen“ würde, wenn es so weitermachte. Es musste sich erst einmal um sich selbst kümmern, sich selbst all die Akzeptanz, Aufmerksamkeit und Liebe schenken, die es von dem Mann nicht bekam und wollte danach jemanden finden, der seine Besonderheit erkannte und es voll und ganz so akzeptierte, wie es war.

Und dann kam der Tag, an dem das Pferd dem Mann sagte, dass es gehen müsse – um ihrer beiden Willen.
Und es breitete seine Pegasus-Flügel aus und flog davon.

(Text: Rosa Kainz)

Und die Moral von der Geschicht? Davon gibt’s mehr, aus meiner Sicht:

  • Sei immer Du selbst, verbieg Dich für nichts und niemanden
  • Sei ehrlich! Dir selbst und auch anderen gegenüber (und rede auch darüber – das mit dem Gedankenlesen funkt nämlich nicht!)
  • Lass die Vergangenheit in Liebe gehen. Loslassen heißt nicht, dass Du etwas ungeschehen machst – sei dankbar, gib der Sache einen besonderen Platz in Deinem Herzen und dann schreite frischen Mutes voran
  • Sei offen für Neues und fixiere Dich nicht auf etwas Bestimmtes – sonst erkennst Du vielleicht etwas Besonderes gar nicht und Du verpasst tolle Chancen

Kennst Du eine solche Geschichte aus Deiner eigenen Erfahrung? Wie bist Du damit umgegangen?

Deine Rosa

Blogbeiträge dieser Kategorie:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.