*** Bitte, lass mich nicht allein! ***

 

Ich werde immer wieder mal gefragt, wie es denn überhaupt zu diversen Verhaltensmustern kommt und inwiefern das mit der Kindheit zusammen hängt bzw. zusammenhängen kann.
Dazu möchte ich in diesem Blogartikel anfangs erst einmal eine Geschichte, die das Leben schrieb, erzählen.

Ich blieb mit meinem Auto an einer roten Ampel stehen und beobachtete dabei folgendes Szenario, das sich gegenüber in der Nebenfahrbahn abgespielt hatte:
Ein Auto blieb dort stehen, der Fahrer sprang heraus, riss die hintere Tür auf und stellte ein kleines Kind auf die Straße. Mein Blick blieb an der Szene hängen, weil der Fahrer mit Händen und Füßen gestikulierte und sehr intensiv auf das Kind (schätzungsweise 4-5 Jahre alt) einredete – offenbar wurde mit dem Kind geschimpft, genaueres konnte ich aufgrund der Entfernung nicht verstehen bzw. stand das Auto vor dem Fahrer.

Das Kind war allerdings nicht vom Auto verdeckt und dadurch konnte ich dann hören, was der Kleine sagte. Wobei, es war eigentlich kein „sagen“, es war mehr ein Aufschrei. Eine Aussage voller Verzweiflung. In einer Stimmlage, die so gar nicht zu beschreiben ist. Untermalt wurde das Ganze dadurch, dass das Kind seine Hände nach dem Fahrer ausstreckte.
Was der Bub rief?
„Bitte, lass mich nicht allein!“
Mit ging diese Szene durch Mark und Bein, hinter mir wurde schon längst gehupt, ich bin weiter gefahren und das Erlebte ließ mich noch länger nicht los …

Ganz ehrlich – kennst Du so etwas?
Wenn Du selbst Elternteil bist mit ziemlicher Sicherheit – auch wenn vielleicht nicht in diesem Ausmaß.
Wenn Du nicht …, dann …“ *droh
Oder hast Du als Kind einmal erlebt, dass Deine Mutter oder Dein Vater Dir sagte: „Wenn Du nicht sofort still bist/Dich benimmst/…, dann lass ich Dich aussteigen und Du gehst zu Fuß nach Hause!“?
Um so etwas hatte es sich wohl bei dieser Szene gehandelt.

Wenn man selbst in einer Situation drinnen steckt, wenn man als erwachsener Mensch (egal ob Elternteil oder nicht) einfach komplett in der Wut, im Ärger „gefangen“ ist, ist ein klares Denken manchmal nicht wirklich möglich. Das kennen wir alle. Und oft bekommen den Ärger dann diejenigen ab, die halt „greifbar“ sind und gar nichts mit der Ursache der Wut zu tun haben. Und ob uns nach dem Wutausbruch leichter ist oder nicht, sei mal dahin gestellt.
Nein, ich möchte ein solches Verhalten nicht schön reden oder gar entschuldigen. Es ist aber nun mal so, dass wir das alle kennen – so ehrlich müssen wir uns selbst gegenüber schon sein.

Wenn man das Ganze jetzt einmal aus Kindersicht betrachtet, dann wird’s eher unangenehm …
Denn das Einzige, was ein kleines Kind in einer solchen Situation versteht ist, dass Mama oder Papa es alleine lassen werden! Die Person, von deren Dasein das Überleben des Kindes abhängig ist, will gehen!

Ein Kind liebt bedingungslos und versteht eben (anfangs) nicht, dass an diese Liebe offenbar sehr wohl Bedingungen geknüpft sind (du musst Dich benehmen, Du musst leise sein,…).
Es weiß nicht, dass es etwas bzw. was es „falsch“ gemacht hat (vor allem dann, wenn die Wut schon vorher da war und das Kind einfach nur das Fass zum Überlaufen brachte)!
Und selbst wenn, würde es nicht rechtfertigen, dem Kind zu drohen, es einfach stehen zu lassen, es alleine zu lassen, es zu verlassen.

Denn die Angst verlassen zu werden, gehört zu den tiefsten Ängsten, die wir haben (können) – weil wir instinktiv wissen, dass wir als kleines Kind ohne Unterstützung nicht überleben können!

Diese Angst ist also in uns drinnen und solche Situationen, in denen man als Kind nicht akzeptiert oder vermeintlich nicht geliebt wird – weil man etwas „falsch“ gemacht hat, weil man nicht sich so verhalten hat, wie es von einem erwartet wurde – sind in dem Moment einfach nur grausam und wir lernen aber nach und nach auch daraus.
Wir lernen, dass wir uns anpassen müssen, dass wir Leistung erbringen müssen und vieles andere mehr. Wir lernen das, um geliebt zu werden und wir lernen, dass wir von geliebten Menschen jederzeit verlassen werden können.

Selbst wenn eine Szene wie anfangs beschrieben nur einmal vorkommt – sie brennt sich unbewusst ein. Wenn so etwas öfter vorkommt, dann erst recht. Und wenn es direkt danach vielleicht manchmal gleich wieder eine Umarmung/Entschuldigung gibt und manchmal noch mehr Ärger – ich denke, Du kannst Dir zumindest ansatzweise vorstellen, was dann in einem Kind vorgeht …

Und dann gib es da einen erwachsenen Menschen, der sich selbst zB. als „beziehungsunfähig“ tituliert, weil er genau solche Kindheitserfahrungen gemacht hat. Erfahrungen, die ihm heute unter Umständen gar nicht (mehr) bewusst sind.
Viele Menschen sind sich ihrer Ängste – zB. der Angst vor dem Verlassenwerden bzw. der Angst vor Liebe (weil wenn man liebt, droht ja das Verlassen-/Verletztwerden) – gar nicht bewusst oder haben diese verdrängt und setzen eine Beziehung nach der nächsten in den Sand.
Und das müssen nicht zwingend partnerschaftliche Beziehungen sein. Sämtliche soziale Kontakte (Kollegen, Chefs, …) sind Möglichkeiten, wo sich solche Ängste zeigen können, denn Akzeptanz und Wertschätzung sind auch eine Form von Liebe …

Erfahrungen aus der Kindheit haben also immer Auswirkungen auf (unbewusste) Verhaltensweisen und die Lebensqualität im Erwachsenenalter und manche davon stellen sich im Heute eben als problematisch dar.
Letztendlich gilt es, sich dieser alten Verletzungen bewusst zu werden und diesen mit neuem Wissen und Erfahrungen zu begegnen, denn das ist im Endeffekt ausschlaggebend für unsere Lebensqualität und unsere Zufriedenheit.

Wenn Du nun erkannt hast, dass Du selbst in solchen Verhaltensmustern steckst oder beim Lesen des Artikel gerade etwas „Klick“ gemacht hat und wenn Du alte Verletzungen gehen lassen möchtest, dann melde Dich gerne jetzt hier für ein kostenloses Erstgespräch an, in dem wir Klarheit in Dein Thema bringen – ich freue mich auf Dich!

Alles Liebe & L(i)ebe Dein Leben!

Rosa

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